Während Europa gerade unter Ausschluss des Aggressors Russland den Friedensplan für die Ukraine mit sich selbst verhandelt, endet andernorts ein Regime durch eine Intervention der USA: Die „Amtszeit“ von Nicolás Maduro fand Anfang 2026 ein überraschendes Ende. Anstatt nun aber den Sturz dieses Diktators und nebenberuflichen Drahtziehers der organisierten Kriminalität und des Drogenhandels zu feiern, eskaliert gerade wieder die Empörungsspirale. Naturgemäß primär bei den Maduro-Buddies Putin und Xi Jinping, aber auch in Europa erntet die Operation der USA kritische Kommentare. Man spricht von Verstößen gegen das Völkerrecht, Imperialismus, Menschenrechtsverletzung und auf den Straßen der westlichen Welt sind mehr „Free Maduro“-Transparente zu sehen als in Venezuela, wo Oppositionelle und viele Venezolaner, sowie auch jene im Exil, die Festnahme feiern.
Erstaunlich, wie scheinheilig und zynisch (Russland spricht von „Rückkehr zur Gesetzlosigkeit“…) die Resonanz zu diesem politischen – ich nenne es mal Umbruch – ausfällt. Wieder einmal ist der Sozialismus des 21. Jahrhunderts an der Realität gescheitert – und diese Realität heißt nur im finalen Schritt Donald Trump.
Die Regierungszeit von Nicolás Maduro hinterlässt Venezuela als Ruine. Der „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ endete nicht in einer Utopie, sondern in einem Failed State, der durch die Plünderung nationaler Ressourcen, der Zerstörung demokratischer Institutionen und der Vertreibung eines Viertels der Bevölkerung gekennzeichnet ist. Ex-US-Präsident Biden versuchte bereits erfolglos, durch Lockerung der Ölsanktionen und ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar auf Maduro, demokratische Zustände in Venezuela zu herbeizuzaubern.
Kurz eine Bilanz des Maduro-Regimes:
- 2013 gewann er mit hauchdünnem Vorsprung die Präsidentschaftswahlen. Die gesamte Wahl war von Unregelmäßigkeiten und Manipulationsvorwürfen überschattet. Wenige Monate nach seinem Amtsantritt beantragte er weitreichende Vollmachten, die das Regieren per Dekret möglich machten und schuf Fantasieministerien wie das Ministerium für „das oberste Glück“. Bereits 2014 kam es zu massiven Versorgungsengpässen in der Grundversorgung der Bevölkerung. Studentenproteste wurden brutal niedergeschlagen, es kam zu einer Reihe von Todesopfern. Die Maduro-Diktatur war geboren.
- Das untote Gespenst des Sozialismus ging von nun an um in Venezuela. Diese Idee des „Sozialismus den 21. Jahrhunderts“ führte zur totalen Zerstörung der Wirtschaft. Zwischen 2013 und 2025 schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt Venezuelas um ca. 75 %. Wir sprechen von einer Inflation von 170 % und einer Armutsquote von ca. 55 % im Jahr 2025 (2013 betrug die Inflation bereits ca. 40 % und die Armutsquote um die 30 %). Tausende Fachkräfte verließen schon in den ersten Jahren der Amtszeit Maduros das Land. Korruption wurde zur Tagesordnung – Raffinerien wie El Palito verfielen so stark, dass Venezuela, das Land mit den größten Ölreserven der Welt, Benzin importieren musste. Die US-Sanktionen ab 2017 und das Ölembargo 2019 beschleunigten den Verfall, der sich aber schon davor manifestierte.
- Venezuela erlebte in der Utopie des Maduro-Sozialismus die intensivste Hyperinflation der Weltgeschichte – 2019 war der Höchststand mit 344 %. 2021 wandte sich das Regime dem Dollar als Währung zu: Diejenigen mit Zugang zu Dollar-Devisen konnten überleben, während Staatsbedienstete und Rentner, die in der Landeswährung bezahlt wurden, verelendeten. Der Gini-Koeffizient stieg auf 53,9 im Jahr 2024, womit Venezuela das ungleichste Land des Kontinents wurde. Das Gesundheitswesen kollabierte, da Strom, Wasser und Medikamente fehlten. Bis 2025 hatte über ein Viertel der Bevölkerung das Land verlassen.
- Das UN-Hochkommissariats für Menschenrechte dokumentierte Folter, Hinrichtungen, Entführungen im systematischen Ausmaß. Die UN berichtete von einer „Repressionsspirale“ mit dem Ziel, jeglichen bürgerlichen Widerstand zu brechen.
Nach der US-Operation, die Maduro und seine Frau aus dem „Amt“ entfernt hat, in das sie vermutlich nie gewählt wurden, hoffte das Militär Venezuelas noch auf den „Volkskrieg“ zur Verteidigung der sogenannten sozialistischen Revolution. Diese gab es aber nicht, die Straßen blieben ruhig. Selbst Verteidigungsminister Padrino López rief zur „Normalität“ auf, anstatt zum Widerstand, was auf einen Bruch innerhalb der herbei fantasierten zivil-militärischen Allianz hindeutet.
Wenn man sich nun die genannten Fakten vor Augen führt, fragt man sich, wie jemand die Entführung bzw. den Sturz dieses Diktators kleinreden oder schlechtheißen kann.
Wer kritisiert eigentlich diese US-Operation am stärksten? China nennt es „Imperialismus der Weltpolizei“, Russland „Rückkehr zur Gesetzlosigkeit“. Es bleibt einem das Lachen im Hals stecken, wenn man sich diese Aussagen anhört – speziell jene von Putin, der es wagt von „Gesetzlosigkeit“ zu sprechen. In Europa stehen auch einige Stimmen offenbar unter dem Einfluss einer Moralin-Überdosis und linksextreme Kräfte bedauern den Fall dieses „Bruders im Geiste“. Just zu diesem Zeitpunkt meldet sich auch wieder die antiimperialistische, linksextremistische „Vulkangruppe“ in einem Bekennerschreiben zu Wort und verbucht den Anschlag auf Strominfrastruktur in Berlin-Lichterfelde für sich. Alles für „die gute Sache“, die Brotherhood aus Kommunisten, Autokraten, Sozialisten und politischen Wirrköpfen lässt grüßen.
Der Feind eines Feindes muss zwar nicht zwangsläufig ein Freund sein, aber die Chance auf eine etwas bessere Zukunft für das venezolanische Volk besteht nun zumindest wieder real. Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende. Trump bzw. die USA handeln hierbei sicher nicht uneigennützig, denn natürlich geht es doch auch um strategische Ressourcen und weltpolitischen Einfluss bzw. Entgrenzung dessen, was möglich ist.
Ich wünsche den Venezolanern jedenfalls, dass der Schrecken des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ sein Ende gefunden hat und das Land nun in eine demokratische und marktwirtschaftliche Phase übertritt.
