Game of empty Thrones

Universum 26: Die Nationen sind keine Völker mehr, sondern Produktionsstätten. Ihre Flaggen wehen nicht über Städten, sondern über Fabriken und militärischen Komplexen, in denen Roboter und autonome Fluggeräte montiert werden – Soldaten ohne Bewusstsein, aber mit der Präzision von dem, das man früher Götter nannte. Die Welt hat sich vereinfacht: militärische Überlegenheit und industrielle Effizienz. Alles andere ist Ballast. Technokratien, die sich der menschlichen Wurzeln entledigt haben, kein Glaube, keine Ideologie mehr, nur mehr Effektivität zum Wohle aller.

Die Volkswirtschaft ist keine Keimzelle des gesellschaftlichen Wohlstands mehr, sondern eine Pipeline, die Ressourcen in Waffen und Maschinen verwandelt, die Unmengen von Energie in synthetische Gedanken umwandelt. Das Bruttoinlandsprodukt ist längst zum Bruttoinlandspotenzial mutiert: gemessen in Feuerkraft, Rechenleistung und jener Fähigkeit, mit der eine Nation ihre Opponenten in Zaum hält und den eigenen Gebietsanspruch auf dem Planeten sichert.

Die Menschheit hat sich zurückentwickelt: Nicht zu Steinzeitaffen, sondern in eine biologische Minimalexistenz: Individuen, die primär ihren Selbsterhalt und ihre Unterhaltung im Blick haben. Die Massen leben in klimatisierten Zonen, versorgt von Algorithmen, die ihre Grundbedürfnisse kennen. Was einst richtig war, ist nun falsch: Die Antithese wird zur These.

Kinder? Eine seltene Kuriosität. Die Geburtenrate sinkt nicht aus Not, sondern aus Gleichgültigkeit im Habitat der unbegrenzten Ressourcen. Universum 25 war keine Warnung, sondern eine Prophezeiung. Wie die Mäuse im Experiment, verdampft die Menschheit in einem Paradox: unbegrenzte Ressourcen, begrenztes Begehren. Die „Schönen“ regieren über Städte, in denen sich das Überbleibsel der Spezies Homo sapiens zu passiven Konsumenten entwickelt, die keine Biologie mehr kennen.

Kriege werden nicht mehr von Soldaten gefochten, sondern von Automaten. Die Schlachten sind hocheffizient automatisiert, ein Ballet der Maschinen, während die menschlichen Zuschauer sie als Spektakel auf ihren Displays verfolgen und liken oder haten – emotionaler Schwarz/Weiß-Modus, keine Graustufen mehr. Der Status einer Nation bemisst sich nicht an Kultur, Geschichte, Werten oder Wohlstand, sondern an der Produktionskapazität ihrer Rüstungsfabriken und der Leistungsfähigkeit ihrer KIs. Länder sind keine Gesellschaften mehr, sondern Industriekomplexe mit Unterhaltungszonen, in denen die Menschheit wie im wasserlosen Aquarium lebt – Betreutes Wohnen kurz vorm Fade-Out.

Am Ende bleibt nur eine Handvoll Menschen. Eine Elite der Systemlenker, die in abgedunkelten Kontrollzentren über die letzten verstreuten Populationen wacht. Sie sind die einzigen, die noch denken, doch selbst ihr Denken ist auf ein Ziel reduziert: die Maschine am Laufen zu halten. Die Weltbevölkerung schrumpft, doch das System wächst. Es braucht keine Menschen mehr. Vielleicht war Universum 25 kein Experiment zu den Folgen von Überbevölkerung, sondern ein wissenschaftlich-prophetischer Glückstreffer über die natürliche Endstation jeder Zivilisation, die aufhört, nach Sinn zu fragen, keine Liebe, keinen Gott mehr kennt, da sie selbst etwas Größeres als sich selbst geschaffen hat. Die leeren Throne stehen bereit.

John B. Calhouns Experiment „Universum 25“ untersuchte die Auswirkungen von Überbevölkerung auf Mäuse in einem scheinbar perfekten Habitat mit unbegrenzten Ressourcen auf begrenztem Raum. Anfangs wuchs die Population, doch trotz idealer Bedingungen kam es zum sozialen Kollaps: Weibchen vernachlässigten ihren Nachwuchs, Männchen („die Schönen“) zogen sich zurück und zeigten kein Interesse mehr an Paarung oder Sozialkontakt. Aggression und Apathie nahmen zu, bis die Population schließlich ausstarb. Calhoun prägte den Begriff „Behavioral Sink“ und sah darin eine Warnung für menschliche Gesellschaften, dass unkontrolliertes Wachstum selbst unter optimalen Bedingungen zu sozialem und psychologischem Zusammenbruch führen kann.